#116 vorablesen Laura Brodie “Stimmen in der Nacht”

Ein sehr modern gehaltener Roman, der es gleich zu Beginn versteht mit seiner Dramatik nicht zu sparen. Als der erste Abschnitt zu Ende war musste ich wahrhaftig kurz einmal schlucken und inne halten. Vorher konnte ich einfach nicht weiterlesen. Dass sich auf einer einzigen Seite so viel erdrückende Beklemmung ansammeln kann, passiert mir selten. Aber so grausig man es auch findet, so sehr man auch Angst davor hat, was da kommen könnte – man kann nicht aufhören zu lesen. Ausgerechnet der letzte Satz stimmt einen dann nachdenklich und macht Hunger auf mehr.

Maggie hatte nie jemandem die ganze Wahrheit erzählt.

#108 der fremde sohn

Ein toter Teenager.
Eine verschwundene Zeugin.
Eine Mutter, die ihr einziges Kind verloren hat.

Die erfolgreiche TV-Moderatorin Carrie Kent erhält einen Anruf: Ihr Sohn Max ist auf dem Schulhof erstochen wordne. Es gibt nur eine Zeugin. Eine Freundin von Max. Doch sie schweigt eisern. Carries Leben wird zum Alptraum. Die Presse jagt sie, ihre Familie meidet sie, Trauer und Schuldgefühle fressen sie auf. Verzweifelt versucht sie, herauszufinden, was mit ihrem Sohn geschah. Doch wird sie mit der Wahrheit leben können?

Mal davon abgesehen, dass die ganzen Zeitsprünge am Anfang den Leser dazu bewegen, die Orientierung ein klein wenig zu verlieren, setzen sie sich am Ende des Buches wie ein großes Puzzle mit seinen ganzen kleinen Einzelteilen perfekt zusammen. Der Autorin ließ kein Detail aus, um die Geschichte zu verfeinern und nachdem ich in diesem Beitrag schonmal reingelesen hatte, freute ich mich riesig über das Exemplar, das ich über das Auswahlverfahren erhielt.

    Buchcover Ich finde das Fahrrad eher unpassend zur Story.
   Einleitung Erschafft Neugierde und Verlangen nach mehr.
   Wortwahl Super an die heutige Generation angepasst!
    Details Sehr ausgefeilt!
    Lesefluss Das Buch liest sich wirklich schnell.

Für die heutige Generation wurden Dayna und Max wirklich super aufgefasst und das Thema Aussenseiter wird nicht als Problem im eigentlichen Sinne genommen, sondern ist einfach eine eigene Szene, in der sich die beiden aufhalten. Die unglücklichen Umstände, in denen Max aufwächst kann man super nachvollziehen – weiß es seine Mutter wohl nicht besser zu tun, als weiter so gefühlskalt zu sein, aber das mag wohl ihre Persönlichkeit sein. Man hat zwar nicht viele Möglichkeiten, den Charakteren Flügeln zu verleihen und sie sich selbst so zurecht zu denken, wie man sie gerade braucht – aber dafür wurden ihre Geister wirklich lebendig beschrieben.

Der kleine… Nebeneffekt, den Dayna aus der Beziehung davon trägt, war anfangs ganz unerwartet, bestätigt sie zwarschon zu Beginn dem Polizisten, dass sie so etwas wie Max’ Freundin war aber dennoch kam das ganze etwas plötzlich sowie es dann zur Sprache kam.

Eigentlich habe ich bei solchen Büchern, in denen Jugendliche mehr involviert werden, als Erwachsene oft die Befürchtung, dass die Autoren verlernt haben, was es bedeutet noch ein Kind zu sein. Dem war hier allerdings nicht so – die Autorin bringt es authentisch rüber, versetzt sich super in die Lage der beiden und gibt ihnen eine gewisse Reife, die natürlich noch nicht komplett entfaltet wurde aber schon stark angedeutet wird. Dies wird vor allem wegen Max’ Kurzschlussreaktion kurz vor seinem Tod stark unterstrichen. Nicht immer erwachsen zu handeln passiert natürlich auch noch älteren Menschen, aber die denken oft noch wenigstens über die Konsequenzen darüber im Vorfeld nach.

Sehr positiv spreche ich dem Buch zu, dass die Spannung nicht ein einziges Mal abgebaut wird – nicht einmal dadurch, dass es im ganzen Buch eigentlich darum geht, warum Max ermordet wurde und wie er sein Leben so verbracht hat. Der Titel des Buches ist vor allem deswegen gut gewählt, weil es um Carrie geht, die ihre Verbindung zum Sohn irgendwo verloren hat und sie einander fremd werden; da es aber eher um seine eigenen Rückblicke geht, wurde der Name in Bezug auf den Aspekt vielleicht ein wenig unglücklich gewählt. Alles in allem ein super Buch, das ich auf jeden Fall jedem weiterempfehlen kann, der gerne spannende aber nicht zu actionreiche Geschichten liest!

Das Buch wurde von mir Im Zuge der Kooperation mit vorablesen gelesen und rezensiert. Wer auch in die ersten Paar Seiten neuer Bücher schmökern möchte und dann die Chance zu jedem bewerteten Buch eines von 100 Exemplaren gratis zu erhalten, um es dann nach dem Lesen auf seinem Blog zu rezensieren, klickt einfach auf obiges Logo und meldet sich direkt an. Alles weitere erfahrt ihr direkt auf der Website.

#081 vorablesen Andreas Laudan “Das Geflecht”

Trotz der Tatsache, dass man mitten in die Leseprobe hineinstürzt und mit Seite 50 anstatt mit der ersten Seite beginnt, erhebt sich hier aus den vielen Buchstaben eine beklemmende Stimmung, die sich bis in die Nervenenden des Lesers vorarbeitet und hinterlässt einen fahlen Nachgeschmack. Man will mehr, man möchte wissen was davor passiert ist und kommt nicht aus dem Teufelskreis heraus, sich in die grausige Situation der Betroffenen hineinzuversetzen. Ein Buch, das Stimmung verspricht!

#075 vorablesen Ella Kingsley “Dancing Queen”

Im Normalfall interessiert mich ein Buch mit solcher Handlung gar nicht, aber da ich das Cover so süß finde, muss ich doch einmal hineinschmökern – vor allem, da es sowieso eine Leseprobe ist. Die Autorin legt einen witzigen Schreibstil mit dem Ganzen an den Tag, wobei mich die Schriftart des Buches ein wenig irritiert – bei spannenden Büchern findet man eher seriös gehaltene Schriftarten vor, bei Krimis werden sie oft um einiges kleiner als bei den meisten Büchern. Diese irrwitzige Schriftart allerdings – mir fällt beim besten Willen der Name des Fonts nicht ein – mag zwar passend für das Thema des Buches sein, kann einen Leser aber stark abschrecken.

Gerade in einem Buch wie diesem, wo Gedankengänge oft in kursiver Schrift gehalten werden, setzt die Irritation aufgrund des Fonts noch einen drauf – ich persönlich kann kaum unterscheiden, was normal und was kursiv geschrieben ist. Aber vom Inhalt selbst her wählt die Autorin präzise eine moderne Schreibweise und verzichtet dabei keineswegs auf anspruchsvolle Ausdrucksweisen. Trotzdem entwickelt sich auch nach Beendigung der 35. und letzten Seite der Leseprobe für mich keine Spannung.

#074 vorablesen Sam Hayes “Der fremde Sohn”

Schon alleine die ersten Seiten sind tragisch und erdrückend. Man liest es in einer Flut durch, kann sich gar nicht losreissen davor und hört sich selbst einfach nur nach dem Warum fragen. Selten habe ich ein Buch gesehen, das mich gleich bei der Einleitung so eingenommen hat – Hut ab! Die Dame Sam Hayes hat mit diesem Roman ein durchschlagendes und herzzerreisendes Konzept auf die Beine gestellt. Viele Dialoge lassen die Seiten des Buchs nicht trocken wirken uns sorgen dafür, dass das Ganze schön lebendig bleibt.

Doch einen Nachteil haben die vielen Umschwünge in den ersten Seiten schon: Man verliert leicht den Faden, zumindest bei der Leseprobe. Sollte man jedoch den Rest des Buches gleich mit vor sich haben, dürfte dies kein weiteres Problem darstellen.